• Mit Lernpartnern lernen.

    Lernen im Team – so gelingt es (besser).

    Mit Lernpartnern lernen? Bei diesem Thema scheiden sich die Geister in der Regel:

    «Mein bester Freund ist ein Mathe-Crack – aber wenn wir miteinander lernen wollen, lenken wir einander bloss ab…»

    «Chemie mache ich immer mit meiner besten Kollegin – für dieses doofe Fach motivieren uns gegenseitig.»

    Die einen wollen nie mehr ohne – die anderen können nicht mit. So oder so: Lernen mit Lernpartnern ist nichts, was einem in die Wiege gelegt wird – es kann (und muss mitunter) geübt werden. Mit meinen Coaching-Schülern spreche ich das Thema immer an, denn Lernpartnerschaften haben – sofern richtig angepackt – grosse Vorteile:

    • Im Team wird vieles einfacher: Die Motivation, sich mit Unangenehmem zu beschäftigen, wächst;
    • die Beschäftigung mit dem Lernstoff ist intensiver (Diskussionen, Erörterungen, verschiedene Standpunkte, gegenseitiges Abfragen) – der Stoff wird stärker vertieft;
    • wenn die Aufgaben aufgeteilt werden und jedes Teammitglied die wesentlichen Aspekte eines Unterthemas erarbeitet, resultieren mehr Informationen und eine grosse Zeitersparnis.
    • Nicht zuletzt: Teamfähigkeit wird eingeübt.

    Das sind Gründe, weshalb es nicht klappt:

    • Die Chemie stimmt nicht zwischen den Lernpartnern: Zuviele «Alphatierchen» rangeln um die Führung oder mehrere «Faultierchen» lassen sich mitziehen. Die einen arbeiten gerne in Ruhe, denken nach, bevor sie reden – andere diskutieren wild über Themen, um sich so zum Wesentlichen vorzuarbeiten. Unterschiedliche Charaktere können sich befruchten, aber auch blockieren. Entscheidend ist, dass sich alle Mitglieder im Team wohlfühlen.
    • Zu grosse Gruppen: mehr als 3 Lernpartner bringen mehr Unruhe. Auch der Organisations- und Planungsaufwand (z.B. um passende Termine zu finden) ist sehr viel grösser.
    • Ungeklärte Erwartungen und/oder Ziele: Dies wird insbesondere dann schnell zum Problem, wenn das Leistungsniveau sehr ungleich ist. Wenn die eine mit einer genügenden Note schon zufrieden ist, während die andere mindestens eine Fünf anstrebt, kann Unzufriedenheit aufkommen. Denn was als gegenseitige Befruchtung gedacht war, ist dann in der Realität einfach Nachhilfe. Wichtig ist auch, dass sich die Lernpartner über Verbindlichkeit einig sind – wenn geplante Lernsitzungen ausfallen, weil jemand kurzfristig «etwas Besseres» zu tun hat, ist die Lernpartnerschaft gefährdet.
    • Aufgaben werden im Vorfeld nicht geklärt und verteilt. Ungünstig, wenn die Lernzeit mit «so, und was machen wir jetzt?» beginnt. Bis Arbeitsstimmung einsetzt, verstreicht unnötig viel Zeit.
    • Es gibt keine klaren Abmachungen in Bezug auf Ablenkungen («Wir schalten das Handy auf stumm!»).
    • Anstelle einer klaren zeitlichen Absprache wird «gelernt, bis wir fertig sind» – das kann zur Erschöpfung und Demotivation führen.
    • Der Lernort ist ungünstig (zu viele Ablenkungen oder für einzelne Teammitglieder schwierig zu erreichen).

    Diese Grundsätze helfen beim Lernen im Team:

    • Gruppe klein halten (empfohlen werden maximal 3 Personen) und darauf schauen, dass alle dieselben Ziele und ihre Erwartungen ausgesprochen haben.
    • Regeln und Verbindlichkeiten klären. «Wir hören einander zu und respektieren einander.» «Jeder gibt sich Mühe, Störungen, Plaudereien und Ablenkungen zu vermeiden.» «Termine und Deadlines werden eingehalten.»
    • Die gemeinsame Lernzeit (ein paar Tage) im Voraus planen und Zeitdauer festlegen (z.B. «in eineinhalb Stunden wollen wir die Themen der kommenden Geschichtsprüfung miteinander durchgehen, offene Fragen klären, wichtige Details repetieren»).
    • Es kann hilfreich sein, den Lernstoff aufzuteilen und jeweils zu klären, wer bis zur Stunde was tut (z.B. eine Person erarbeitet ein Kapitel und erklärt den anderen die wesentlichen Punkte; jede/r hält einen Mini-Vortrag über ein Unterthema; jede/r bringt eine fiktive Prüfung zu einem Unterthema mit; Kurz-Quizzes mit je 30 Fragen werden erstellt etc.).
    • Am Ende der Sitzung ein kurzes Debriefing («was hat gut geklappt, was weniger, was wollen wir nächstes Mal besser machen?») und – Belohnung nicht vergessen!

    So können Eltern ihre Kinder beim Teamlernen unterstützen:

    • Lernpartner/in sorgfältig gemeinsam mit dem Kind auswählen: Dafür sind Fragen hilfreich wie: Kannst Du gut mit ihm/ihr arbeiten? Mögt Ihr Euch? Kommt ihr miteinander oder abwechselnd auf Lösungen – oder muss immer der eine dem anderen alles vorsagen? Könnt Ihr Euch konzentrieren oder lenkt Ihr Euch eher gegenseitig ab?
    • Einen günstigen Lernort auswählen (z.B. in der Küche oder im Wohnzimmer – die Gegenwart von Erwachsenen kann hilfreich sein, solange sie sich im Hintergrund halten und notfalls lediglich daran erinnern, dass gelernt und nicht gespielt werden soll. Wenn das Lernen gut klappt, können Kinder auch im Zimmer arbeiten.)
    • Solange das Team noch nicht eingespielt ist, kann es hilfreich sein, wenn Erwachsene mit ihnen am Anfang des gemeinsamen Lernens planen, was erreicht werden soll: Was ist das Ziel? Was wollt ihr miteinander machen? Was macht jeder einzelne für sich? Wie fragt ihr einander ab? Wieviel Zeit wollt ihr investieren?
    • Gute Pausen einplanen! Ein gesunder Snack, fünf Minuten herumtoben oder Springseilen, zu mitreissender Musik abtanzen etc. steigert die Lernfreude und -motivation. (Hier finden Sie Beispiele für gute Pausen.)
    • Für Abwechslung sorgen: Mehrmaliges Lesen oder auch monotones Abfragen werden schnell langweilig. Mehr Spass macht das Lernen, wenn am Ende ein «Produkt» vorliegt: z.B. ein Lernplakat, ein kleines Büchlein, eine Lern-Geschichte oder ein Lern-Quiz mit 30 Fragen und Antworten.