• Zur guten Prüfungsvorbereitung in fünf Schritten

    «So viel Stoff - ich weiss gar nicht wo anfangen!» Gute Prüfungsvorbereitung ist immer wieder ein Thema in meiner Lernpraxis. Egal, ob es sich um einen «einfachen» Test zur Ermittlung des Gelernten handelt oder um eine grosse Eintritts- oder Abschlussprüfung - meistens unterschätzen meine Klientinnen und Klienten, wie wichtig Planung und Timing sind. Hier will ich deshalb einmal erklären, wie die solide Vorbereitung auf einen Test in einem Einzelfach aussehen könnte. (Die Vorbereitung auf eine grosse Prüfung wie z.B. Lehrabschlussprüfung, Kantiprüfung oder Matura ist ein wenig komplexer.)

    Zu den häufigsten Fehlern, die ich in meiner Praxis sehe, gehören:

    1. Schüler/innen fangen viel zu spät an.

    Im schlechtesten Fall sogar erst am Tag oder Wochenende vor der Prüfung. Dabei sind zwei Dinge ungünstig und führen langfristig zur Demotivation: Erstens ist das Gelernte bereits wieder (teilweise) in Vergessenheit geraten - es muss also wieder (ganz) neu aufgebaut werden. Das ist mühsam und auch sehr ineffizient. Zweitens besteht die Prüfungsvorbereitung dann meist aus intensivem, oft auch stundenlangem Büffeln - worauf mit Sicherheit ein regelrechter «Muskelkater» folgt, nämlich das Gefühl: «Dieses Fach ist sooooo anstrengend…» Keine gute Voraussetzung, um das nächste Mal früher anzufangen!

    2. 
Es wird zu wenig repetiert.

    Begriffe, Definitionen oder andere Inhalte sitzen nicht durch zwei- oder dreimal lesen. Wer am Tag vor der Prüfung lernt (oder kurz davor), repetiert das Wesentliche in der Regel nicht genügend oft. Begriffe sitzen nicht nach einmal oder zweimal lesen. Matheformeln sind zwar verstanden - können aber nicht in verschiedenen Situationen angewendet werden. Das Gefühl, das dabei entsteht ist: «Ich habe mich auf die Prüfung vorbereitet und trotzdem war ich nicht gut.» Meistens haben sie zwar verstanden, worum es geht - aber das Gelernte ist zuwenig eingeübt, um in der Prüfung zur Verfügung zu stehen.

    Solide Prüfungsvorbereitung sieht so aus:

    1. Prüfungstermin sofort in Agenda/Wochenplan eintragen, wenn er bekannt ist.

    

Wer keine Agenda (Hausaufgabenbüchlein / Wochenplan) führt, hat es schwer, den Überblick zu behalten. Folge: O Schreck, morgen ist ja die Matheprüfung! Wer einen grossen Arbeitsspeicher hat, „prügelt“ sich den Stoff ins Hirn - und kommt vielleicht damit durch. Lernerfolg? Fehlanzeige. In Fächern wie Sprachen oder Mathematik müssen Wissen und Können langsam und stetig aufgebaut werden - und dafür brauchen wir Zeit.


    2. Stoff / Lernziele / Themen zusammentragen - Überblick verschaffen.



    Bevor wir uns in die Details stürzen, muss erst einmal eine Übersicht hergestellt werden. Ist alles Material vorhanden (Hefteinträge, Dossiers, Lehrbuch)? Wie viel gibt es zu wissen? Was muss verstanden werden? Welche Begriffe, Formeln, Methoden müssen eingeübt werden? Dort, wo Lernziele formuliert sind, können sie als einzelne Aufträge verstanden werden, die es abzuarbeiten gilt. Auch dort aber unbedingt darauf achten, ob auch hier die wesentlichen Inhalte genügend repetiert werden. Wo Lernziele fehlen, gilt es, eigene Aufträge oder Aufgaben zu formulieren. Wer anfängt zu Lernen, bevor eigentlich klar ist, was am Ende tatsächlich gewusst/gekonnt werden soll, verirrt sich leicht im Faktenwald. 


    3. Stoff / Lernziele portionieren und Prüfungsplan erstellen.



    Stundenlange Lernsitzungen geben uns zwar meistens das Gefühl, richtig viel gelernt zu haben. Und es gibt tatsächlich Schüler/innen, die mit dieser Lernstrategie relativ lange zufriedenstellende Noten erreichen. Aber irgendwann wird der Stoffumfang zu gross, um ihn noch rechtzeitig kurz vor der Prüfung in den Kopf zu knallen. Weniger ist mehr! Wer in kurzen, konzentrierten Lernportionen lernt, vermeidet das Gefühl von: «Ach, es ist soooo viel… das schaffe ich nie!» Kurze, knackige Lernportionen werden in den Wochen- oder in einen speziellen Prüfungsplan übertragen. Hier habe ich einen Muster-Prüfungsplan mit zwei konkreten Beispielen (Mathe und Sachthema) zum Download vorbereitet.


    4. Prüfungsplan in die Wochen- oder Tagesplanung übertragen.



    Wer mit einer Agenda arbeitet, könnte beispielsweise «Prüfungsplan Mathe» eintragen an den Tagen, an denen laut Prüfungsplan gelernt werden soll. Wer mit einem Wochenplan arbeitet, trägt die Lernportionen hier ein - zum Beispiel mit einem Hinweis wie «PP Mathe». Wichtig ist: Es muss klar sein, was an jedem Tag zu tun ist. Meiner Erfahrung nach erledigen die meisten Schüler/innen lieber Hausaufgaben als dass sie auf Prüfungen lernen - ganz einfach deshalb, weil bei den Hausaufgaben klar ist, was zu tun ist. Diese Klarheit kann auch durch gute Prüfungsplanung hergestellt werden. Wer sich dagegen mehrmals ohne Plan zur Prüfungsvorbereitung hinsetzt, läuft Gefahr, immer wieder von vorne zu beginnen, ohne wirklich sicher zu sein, dass das Wichtigste wirklich erledigt ist.


    5.Prüfungsplan abarbeiten und Fortschritt markieren.

    

Wenn einzelne Aufgaben (genau wie Hausaufgaben) abgearbeitet wurden, werden , sie als «erledigt» markiert (siehe letzte Spalte im Muster-Prüfungsplan). Damit wird einerseits die Motivation gestärkt («wow, schon so viel gelernt!») und andererseits auch das Selbstvertrauen («ich kann das, weil ich es geübt habe»).

    Was sind Ihre Erfahrungen mit der Prüfungsplanung oder welche Fragen haben Sie dazu? Ich freue mich auf Kommentare, Anregungen oder Bemerkungen.