• Her mit den Lernstrategien!?

    Lernstrategien sind keine Zaubermittel.

    Ich mag Lernstrategien. Mein «Lernwerkzeuge»-Schrank ist ganz schön voll davon. In meinem Büro füllen die entsprechenden Werke mindestens einen Regalmeter. Es finden sich dort Tipps und Tricks rund ums Lernen für Kinder, für Jugendliche, für Senioren. Lerntipps, -ratschläge, -tricks, -methoden... für jede erdenkliche Lernsituation.

    Trotzdem reagiere ich meist vorsichtig, wenn jemand zu mir kommt und sagt: «Ich möchte Lernstrategien lernen!» Denn manche meiner Klienten stürzen sich darauf, als wären sie ein Zaubermittel, mit dem sie auf einen Schlag all ihre Probleme loswerden. Das ist in der Regel nicht der Fall. Und wo die Erwartungen hoch sind, ist manchmal auch die Enttäuschung gross.

    Lernstrategien sind cool - aber anspruchsvoll

    Meiner Erfahrung nach profitieren diejenigen Lernenden am schnellsten von neuen Strategien, die ohnehin schon gut unterwegs sind. Ich erlebe ab und zu solche Lernende: Sie haben zwar anspruchsvolle, aber auch realistische Ziele, meist verbunden mit einer ordentlichen Portion Lust, viel zu leisten. Sie trauen sich etwas zu und machen regelmässig die Erfahrung, dass ihnen das Lernen gelingt. Eine neue oder andere Art zu Lernen sehen sie daher als Möglichkeit, noch etwas effizienter zu werden, oder als etwas Willkommenes, was ihnen hilft, ihren Lernalltag ein wenig abwechslungsreicher zu machen.

    Diese grundsätzlich positive Haltung hilft ihnen, die Anfangsinvestition zu leisten, die jede neue Strategie verlangt. Egal, ob es sich darum handelt, die Mind-Map-Technik zu lernen, eine andere Lesestrategie zu entwickeln, mit einem Wochenplan zu arbeiten, die Prüfungsvorbereitung oder die Gedächtnisleistung zu verbessern - eines haben alle Lernstrategien gemeinsam: sie gut einzuüben braucht Zeit und Geduld.

    Wer im Maschinenschreiben vom 2-Finger- aufs 10-Fingersystem umgestellt hat, kann ein Lied davon singen. Bevor es leichter wird, wird alles erst einmal ein wenig mühsamer.

    Wann ist eine günstige Zeit für neue Lernstrategien?

    Es gibt günstige und weniger günstige Zeiten, um neue Lernstrategien einzuführen. Weniger günstig sind Zeiten, die von Stress, Notendruck oder (Prüfungs)Angst begleitet sind. Dann gilt es eher, an der Motivation, am Selbstvertrauen oder grundsätzlich an der Lernbereitschaft zu arbeiten.

    Klar greift man, wenn die Not gross ist, gerne nach jedem Strohhalm. Doch selbst wenn die Erkenntnis vielleicht da ist, dass es «so nicht weitergeht» - in Schwierigkeiten klammern wir uns gerne an die guten alten Gewohnheiten (selbst wenn sie gar nicht so gut sind), weil sie uns beruhigen.

    Manchmal wrid die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren, begleitet von zu hohem Erwartungsdruck: Es muss sofort eine bessere Note resultieren - oder die neue Strategie taugt nichts. Meist dauert es aber eine Weile, bis eine neue Lernstrategie «greift».

    Günstige Zeiten sind dann, wenn Neugier oder Lust auf Neues vorhanden ist. Wenn noten- oder leistungsmässig noch ein wenig Reserve vorhanden ist. In anderen Worten: Es müssen nicht hell lodernde Feuer gelöscht werden, sondern es kann der Wald gepflegt und optimiert werden. 

    Günstige Zeiten sind oft die Ferien, weil da mehr Zeit vorhanden ist. Eine vorhandene Wissenslücke oder ein vernachlässigtes Fach lässt sich dann entspannt aufarbeiten - in kleinen Portionen, auf eine andere Art und Weise als bisher. Oder die Zeit vor einem Neubeginn - neues Schuljahr, Studium oder Weiterbildung - lässt sich gut nutzen, um die eigene Lernweise einmal grundsätzlich zu überdenken und anzureichern.

    Welche Lernstrategien?

    Wie bereits gesagt: Es gibt eine ganze Menge von Ratgebern, die das Lernen verbessern wollen. Hier liste ich mal ein paar meiner ganz persönlichen Favoriten auf - für verschiedene Schulstufen und Altersgruppen:

  • Wolfgang Endres ist ein sehr erfahrener, kluger Autor von verschiedenen Lernbüchern. Dieses Werk richtet sich an Kinder der letzten Primar- und ersten Sekundarschulklassen. Die Tipps sind altersgerecht erklärt und gut umsetzbar. Es bietet sehr viel Anregung und eignet sich für interessierte Lernende, die gerne selbständig arbeiten. Eltern können von den Grundlagen profitieren, die in diesem Buch erklärt werden (Lernzeiten, Gedächtnisstrategien etc.) - oder sie erweitern damit ihr eigenes Repertoire an Lernstrategien, mit denen sie ihre Kinder beim Lernen begleiten.

  • Kurz und knackig - das ist das Motto dieser von DUDEN herausgegebenen Reihe, die ich Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I gerne empfehle. (Es gibt die SMS-Bände auch für Grammatik, Rechtschreibung, Aufsatz etc.) Der Inhalt ist klar strukturiert und aufs Nötigste reduziert. Die Tipps sind leider teilweise stark auf das deutsche Schulsystem ausgerichtet. Die Reihe ist trotzdem empfehlenswert für Lernende, die nicht lange herumsuchen, sondern sofort umsetzen wollen.

  • «für dummies» ist eine weitere Reihe von Lernbüchern, die ich sehr gerne selber nutze und weiterempfehle. Theorie wird hier erfrischend und eingängig erklärt - was wahrscheinlich der Grund ist, weshalb die Reihe auch international so erfolgreich ist. Dieses Buch über Lernstrategien sehe ich als eine Art «Hausapotheke des Lernens» - sie ist sehr umfassend und bietet Strategien und Erklärungen für die unterschiedlichsten Lernsituationen.

  • «Bestnote» ist DAS Standardwerk für selbständige Studierende, die ihr Studium rasch und gut strukturiert auf die Reihe bekommen wollen. Krengels Tipps sind wssenschaftlich fundiert, kurz und knackig - to the point. Ein Wermutstropfen: der kluge Autor wirkt manchmal wie ein Schlaumeier, der möglichst rasch «das System knacken» will. Wie schon im Titel erklärt, geht es um «Bestnoten», nicht unbedingt um die beste Lernerfahrung an sich.

  • «Lernpower» ist ein gutes Buch für Lernende, die sich grundsätzlich mit Lernen als Erfahrung auseinandersetzen und dabei ihren eigenen Weg finden möchten. Es spricht erwachsene Lerner an, die Zeit und Geduld haben, sich auf einen - gut geführten! - Entwicklungsprozess einzulassen. Es eignet sich auch für Eltern, die ihren Kindern mehr mitgeben möchten, als nur das Wissen, wie sie rasch zur Bestnote kommen.