• 10 Lernaktivitäten, die 0 Talent erfordern

    «Ich habe halt kein Talent in....»

    ...Zeichnen? Mathe? Geschichte? Schreiben?

    Klar: die Begabungen sind unterschiedlich verteilt - und während es den einen etwas leichter fällt, sich mit Zahlen zu beschäftigen, tun sich andere schwerer damit. Aber ist Talent wirklich eine zwingende Voraussetzung für akzeptable Leistungen in Schulfächern?

    Talent ist ein heikles Konzept, wenn wir darunter verstehen, eine angeborene Begabung liesse uns stets mühelos durchs Leben segeln, fern jeder Anstrengung, fern jeder Frustration. Selbst wer ein Talent im Schreiben hat, erlebt hin und wieder Schreibblockaden. Selbst wer eine Begabung für Zahlen hat, beisst sich mal an einer Aufgabe die Zähne aus. Selbst ein begnadeter Geiger muss üben vor dem Konzert!

    Für diese Lernaktivitäten ist keinerlei Talent erforderlich:

     

    1. Eine Aufgabe sorgfältig ausführen.

    Es macht einen Unterschied, ob ich eine Aufgabe oberflächlich, geistig kaum beteiligt und so rasch wie möglich hinter mich bringe - oder ob ich mich darum bemühe, sie vollständig und ordentlich auszuführen und auch den Details die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

    2. Eine Arbeit pünktlich abgeben.

    Wenn ich einer Aufgabe den nötigen Respekt entgegenbringe und sie innerhalb der gegebenen Frist erledige, fällt sie gewiss besser aus, als wenn ich sie fünf Minuten vor dem Abgabetermin hinwurstle.

    3. Sich Mühe geben.

    Unlust überwinden - das ist selbst mit «Talent» immer wieder nötig. Leistungssportler kennen das: Längst nicht immer brennen sie vor Lust auf das tägliche Training - doch ist es absolviert, stellt sich eine grosse Zufriedenheit, ja sogar Glücksgefühl ein.

    4. Auf eine gute Körperhaltung achten beim Lernen.

    Wer könnte lernen, wenn er wie eine Banane im Sofa liegt? Eine gerade, aufrechte Haltung fördert die geistige Präsenz.

    5. Achtsam mit der eigenen Energie umgehen.

    Genügend Schlaf und gute, kurze Pausen sind für das Lernen wichtig. Gute Pausen können nachgerade als «Lernturbo» gelten. (Warum, habe ich hier beschrieben.)

    6. Eine positive innere Haltung entwickeln.

    Gibt es etwas Öderes, als eine oder zwei Stunden lang über den Büchern zu brüten, mit dieser nervigen Stimme im Kopf, die unablässig jammert: «Das ist ja soooo schlimm....!» Besser, sich kurz zu überlegen, was in zwanzig Minuten erledigt oder erreicht werden soll und dann loszulegen mit der Haltung: «Ich mache es halt trotzdem - auch wenn ich keine Lust habe.» (Manchen kann dabei der «Zehn-Minuten-Trick» helfen.)

    7. Etwas mehr machen.

    NIemand braucht ein überragendes Talent, um ein wenig mehr als das absolut Nötigste zu tun. Ein klein wenig mehr machen - beispielsweise ein Sachbuch zu lesen, einen Dokumentarfilm zu schauen oder ein paar zusätzliche Übungen machen - kann längerfristig sogar dazu führen, dass das Thema oder Fach (wieder) Spass macht. Ganz einfach, weil ich mehr davon verstehe.

    8. Gut vorbereitet sein.

    Vorauslernen kann manchmal wahre Wunder bewirken. Wenn ich vorbereitet in die Klasse komme, die Fachbegriffe verstehe und mir einen Überblick verschafft habe, kann ich mitreden. Das ist wesentlich befriedigender, als wenn ich im Unterricht dasitze und nur «Bahnhof» verstehe.

    9. Bald anfangen.

    Etwas Unangenehmes vor sich hinschieben, kann dazu führen, dass es überhaupt nicht ausgeführt wird. Deshalb besser rasch anfangen, indem die Entscheidungsphase («soll ich, soll ich nicht, soll ich...?») so kurz wie möglich gehalten wird. (Auch dieses Thema habe ich schon ausführlicher beschrieben - hier.)

    10. Dem Fach (noch einmal) eine Chance geben.

    Ist das Fach, in dem wir (vermeintlich) kein Talent haben, bereits abgeschrieben? Die ungenügende Note Schicksal? Zeit für ein Experiment! Ich beschäftige mich drei Wochen lang täglich 15 bis 20 Minuten damit. Möglicherweise habe ich darin (wieder) Erfolge - und wer weiss, vielleicht macht es am Ende sogar Spass.